Diagnose Fructosemalabsorption – Was nun?

Therapie und Karenzzeit

Nach der Diagnose einer Fructosemalabsorption, sei es mittels Wasserstoffatemtest oder durch ein Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen, ist zunächst eines wichtig:  Ruhe bewahren! Eine Fructosemalabsorption bedeutet nicht ein Leben lang strenge Diät zu führen. Allerdings erfordert die Diagnose eine Umstellung der Ernährung. An diese kann man sich mit etwas Zeit und Übung gut gewöhnen. Die Umstellung sollte immer in Absprache mit einem/r Ernährungsberater/in erfolgen. Dies kann der behandelnde Arzt oder die Ärztin sein, es gibt aber auch speziell ausgebildetes Fachpersonal. Die Bezeichnung Ernährungsberater ist jedoch nicht geschützt. Man sollte sich also vorab gut informieren, wer sich tatsächlich auskennt und weiterhelfen kann. Außerdem macht es immer Sinn sich im Voraus bei seiner Krankenkasse zu informieren, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sie die Kosten für eine Beratung ganz oder teilweise übernimmt.

Zunächst folgt auf die Diagnose die sogenannte Karenzzeit. In dieser etwa zwei bis maximal drei Wochen dauernden Phase wird vollkommen auf fructosehaltige Nahrungsmittel verzichtet. Während der Karenzphase sollten möglichst alle vorher aufgetretenen Symptome verschwinden. Ist dies nicht der Fall, kann eine Allergie, eine andere oder sogar eine zusätzliche Intoleranz vorliegen. Dies sollte schnellstmöglich von einem Arzt untersucht werden. Die Dauer der Karenzzeit kann individuell abgewägt werden. Bei einer zu kurzen Zeit hat der Darm nicht ausreichend Gelegenheit sich zu regenerieren, ein längerer Verzicht kann jedoch die Verträglichkeit von Fructose weiter verschlechtern.

Warum überhaupt Karenzzeit?

Man muss es offen sagen: die Karenzzeit ist hart. Die erlaubten Lebensmittel sind sehr überschaubar und jede kleine Ausnahme kann sich mit unangenehmen Symptomen rächen. Eine solche Ernährungsumstellung hat natürlich einen deutlichen Einfluss auf die Lebensqualität.

Warum also überhaupt eine Karenzzeit einhalten? Das Hauptziel der Karenzzeit ist es, dem Darm Zeit und Gelegenheit zu geben sich zu erholen. Die Fructose kann bei einer Malabsorption nicht oder nicht vollständig aus dem Darm aufgenommen werden und wird stattdessen von Bakterien verstoffwechselt. Dabei entstehen unter anderem Gase. Diese und die zusätzlich verbleibende Fructose reizen die Darmwände. Während der Karenzzeit kann sich der Darm auch von der Belastung häufiger Durchfälle erholen.

Wie bereits erwähnt sollten in dieser Zeit sämtliche Symptome verschwinden. Dies dient der Absicherung der Diagnose und hilft mögliche weitere Intoleranzen zu entdecken.

Auch wenn es lästig und anstrengend ist, sich in der Karenzzeit intensiv mit allem beschäftigen zu müssen, was man zu sich nimmt: es erleichtert später den Umstieg in die Dauerphase. Es lohnt sich die Zeit konsequent durchzuhalten, um danach mit einem erholten Darm in die neue Ernährung zu starten.

Hier ein kleiner Überblick, welche Lebensmittel in der Karenzzeit erlaubt sind:

  • Zucker: Traubenzucker, Malzzucker, Reissirup
  • Obst: KEINS
  • Gemüse: Kartoffeln geschält und mindestens 1 h gewässert vor dem Kochen (Zum Kochen das Wasser austauschen!)
  • Getreide: Dinkelflocken, Reis, Nudeln, Dinkelbrot
  • Fleisch/Fisch: alles erlaubt, aber keine fertigen Marinaden oder Salate, ebenso muss man bei allen fertigen Produkten wie Wurst u.ä. auf Zusätze achten
  • Milchprodukte: alles erlaubt, aber aufpassen bei Zusätzen wie bspw. im Joghurt oder in Milchmischgetränken
  • Knabbergebäck: Salzstangen, Salzbrezeln, aber auch hier Achtung bei Zusätzen
  • Getränke: Wasser, Milch, Kaffee, Kräutertee

Die Rücksprache mit einem/r Ernährungsberater/in wird jedoch angeraten!

Und was dann?

Nach Abschluss der Karenzzeit beginnt das langsame Herantasten an fructosehaltige Lebensmittel. In dieser Phase sind Geduld und Ausdauer gefragt. Je vorsichtiger und langsamer man die Sache angeht, desto besser stehen die Chancen symptomfrei zurück zu einer normalen, leicht angepassten Ernährung zu finden. Zu Beginn sollten nur Lebensmittel mit einem Fructosegehalt von maximal 1 g pro 100 g gegessen werden. Zeigen sich keine Symptome, kann die Auswahl langsam erweitert werden.

Da jeder Betroffene eine andere Toleranzschwelle für Fructose hat, muss diese individuell ermittelt werden. Als sehr hilfreich hat sich für viele ein Ernährungstagebuch erwiesen, um den Überblick zu behalten und um auch die Kombination von Nahrungsmitteln besser testen zu können. Vielleicht verträgt man zum Beispiel Kartoffeln mit Blumenkohl besser, als mit Grünkohl. Oder das Lieblingsgemüse geht doch, wenn man ausreichend Protein dazu isst. Ein wichtiger Leitsatz: Nicht alles auf einmal und alles in Maßen. Auch Fast Food und Fertigprodukte können getestet werden, Lebensmittel mit einem sehr hohen Gehalt an Fructose sollten aber besser ersetzt werden.

Meist dauert es um die sechs Wochen, bis man einiges getestet und sich langsam auf die neue Ernährung eingestellt hat. Mit der Zeit wird auch der Aufwand weniger, wenn man weiß was man in welchen Mengen verträgt.

Warum vertrage ich manchmal mehr und manchmal weniger Fructose?

Einige Patienten mit Fructoseintoleranz berichten hin und wieder, dass sie weniger Fructose als gewöhnlich vertragen. Oder es zeigen sich plötzlich Symptome bei sonst verträglichen Lebensmitteln. Zwar gibt es zu einem Zusammenhang zwischen Stress und Fructoseintoleranz keine endgültigen Studien, doch der Darm ist ein empfindliches Ökosystem, das durch viele Faktoren beeinflusst wird. Stress im Alltag, ein Umzug, Krankheit und viele andere Umwelteinflüsse können sich darauf auswirken. Ist der Darm ohnehin schon angegriffen oder geschwächt, kann sich die Toleranzschwelle für Fructose ändern. Bei anhaltenden Problemen ist es aber immer wichtig mit einem Arzt oder einer Ärztin Rücksprache zu halten, um andere Ursachen auszuschließen.

Bei Fertigprodukten kann es hin und wieder eine Rezepturänderung geben, was ebenfalls zu einer verschlechterten Verträglichkeit führen kann. Es macht also Sinn ab und zu die Inhaltsstoffe zu studieren, auch wenn man das Produkt bisher gut vertragen hat. Aber auch die Tageszeit kann schon Einfluss auf die Toleranzgrenze haben. Viele Betroffene vertragen nachmittags mehr Fructose als am Morgen.

Und was ist mit Süßigkeiten?

Die schlechte Nachricht zuerst: Naschen wird durch eine Fructosemalabsorption schwieriger. Auf Süßigkeiten zu verzichten fällt den meisten Menschen sehr schwer. Viele Süßigkeiten und Kuchen enthalten aber Obst und sind deswegen schon weniger gut geeignet. Auch andere Süßigkeiten enthalten aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes eine Menge Fructose. Diätprodukte sind meist noch weniger gut geeignet, da die verwendeten Süßstoffe die Fructose Transporter in der Darmwand blockieren und das Problem so noch verstärken.

Die gute Nachricht: Nach der Karenzzeit sind Kleinigkeiten durchaus erlaubt. Auch hier muss man sich sehr vorsichtig an die eigene Toleranzschwelle herantasten. Am besten verträglich sind Süßigkeiten meist als Nachtisch. Wenn der Magen bereits voll ist, verbleibt der Speisebrei länger und die Fructose gelangt langsamer in den Darm.

Süßigkeiten, die ausschließlich Glukose (Glukosesirup, Dextrose, Traubenzucker) enthalten, sind in der Regel unproblematisch.

Wer gerne backt und experimentiert kann Kuchen, Muffins und anderes süßes Gebäck selber machen. Ersetzt man den Zucker im Rezept durch Traubenzucker (wegen der geringeren Süßkraft benötigt man anstelle von 100 g Zucker etwa 140 g Traubenzucker) erhöht sich die Verträglichkeit enorm.

Ähnliche Beiträge

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Svenja

    14. Juni 2019 at 15:57

    Habe gerade die Diagnose erhalten. Danke für den übersichtlichen Einstieg!

Hinterlasse einen Kommentar